Deutscher Vormarsch auf Dünkirchen – der „Sichelschnitt“

Nachdem die Maas überschritten war, marschierten die deutschen motorisierten Truppen der Heeresgruppe A unter General Heinz Guderian in hohem Tempo zur Kanalküste, die sie am 20.05.1940 westlich von Abbeville erreichten. Diese offensive Taktik, bei der das gesamte Britische Expeditionskorp (BEF) sowie Teile der frz. 1. Armee abgeschnitten wurden (von Churchill „Sichelschnitt“ genannt), überraschte die Alliierten in ihrer Durchführung und Geschwindigkeit („Blitzkrieg“) vollkommen.

Britische und französische Gefangene in Dünkirchen, Frankreich

Britische und französische Gefangene in Veules-les-Roses bei Dünkirchen, Frankreich im Juni 1940 (Quelle: www.archives.gov)

Stop und Evakuierung

Plangemäß schwenkten die Truppen nach Erreichung der Küste nach Nord-Nordost, um die alliierten Verbände in den Kesseln von Artois und Flandern zu zerschlagen. Hitler jedoch stoppte am 24.05.1940 seine Truppen und ermöglichte den Alliierten damit, sich vom 26.05. bis 04.06.1940 mit über 900 Schiffen im Evakuierungshafen der Stadt Dünkirchen / Nordfrankreich mit 330.000 Mann (davon ca. 110.000 Franzosen) Richtung England einzuschiffen. Diese Evakuierungsaktion trug den Codenamen „Operation Dynamo“ und ging später als „Wunder von Dünkirchen“ in die Geschichte ein.

Hintergrund und Motivation

Die Motivation zu dieser Handlung ist bis Heute nicht vollkommen geklärt. Zum einen versprach Göring, die flüchtenden Schiffe des Expeditionskorps zu vernichten (was die Möglichkeiten der Luftwaffe überschätzte und wetterbedingt kaum möglich gewesen wäre), zum anderen ist es möglich, das Hitler die Panzerkräfte für den weiteren Vorstoß schonen und eine Überdehnung der Front vermeiden wollte (dagegen spricht, dass Frankreich militärisch bereits geschlagen war). Offenbar hatte Hitler nach wie vor die Vision, einen weiteren, ungewünschten Krieg mit den „germanischen Brudervolk“ und „natürlichem Verbündeten“ England zu vermeiden und sich auf seinem ideologischen Kernfeind Russland zu konzentrieren.

Es liegt daher nahe, dass er die Vernichtung bzw. – im Falle einer Nicht-Kapitulation – eher das „Abschlachten“ der Alliierten in Dünkirchen vermeiden wollte, ihnen bewußt die Flucht ermöglichte und v.a. England mit dieser Geste ein Signal für weitere Verhandlungen geben wollte, was diese jedoch ablehnten. In diesem Fall wäre die Stärke Englands zur Fortführung des Kriegs gegen Deutschland stark beeinflußt. Die Folgen waren die anschließende Schlacht um England (Luftschlacht, geplante Invasion „Operation Seelöwe“, etc.), die die Angriffsbeginn auf Russland massiv verzögerten – mit fatalem Einlfuß auf den weiteren Kriegsverlauf.

Zwar verlor England massiv an Kriegsmaterial – alleine ca. 50.000 Fahrzeuge und 200 Schiffe – viel wichtiger waren jedoch die Soldaten, die nicht zu ersetzen waren. Die in England verbliebenen französischen Truppen bildeten nach der Kapitulation Frankreichs die „Forces Francaises Libres“ unter Charles de Gaulle.

Einen sehr interessanten Artikel zu den „was wäre wenn“ – Auswirkungen im Falle eines sofortigen deutschen Angriffs un der Zerschlagung der alliierten Truppen hat Ian Kershaw im Online-Portal der NZZ veröffentlicht:

Alle 5 Jahre findet noch heute am 26. Mai eine Gedenkfahrt zwischen Ramsgate und Dünkirchen statt, an der aktuell noch ca. 70 der urpsr. 400 kleinen Schiffe teilnehmen, die an der Operation Dynamo beteiligt waren.

 

Deutsches Propaganda-Video

Die Schlacht von Dünkirchen – Frontberichte der Propaganda-Kompanien
Ufa Ton Woche 509 (06 Juni 1940), Ufa Ton Woche 510 (12 Juni 1940)

 

Britisches Video „Battle of Dunkirk“

Quelle: War Archives – a dedicated military history channel from British Pathé.